Partner

Das Ende zweier Ären?

 

Mit der diskutierten Einstellung der Wochenschau ginge nicht nur eine traditionelle Sendung verloren sondern auch das einzige österreichische Format, welches auch von einer Gebärdensprachmoderatorin begleitet wird.

(Wien, 20.11.2008) Die "Wochenschau", das wöchentliche Nachrichtenmagazin des ORF, könnte in absehbarer Zeit eingestellt werden. Sendungen oder Serien kommen und gehen, aber mit der Wochenschau ginge auch eine eine jener Institutionen verloren, die für Menschen mit Gebärdensprache einen Fixpunkt im Fernsehprogramm darstellt: Die Sendung ist nämlich das einzige Format des ORF, dass seine Gebärdensprachmoderation Barbara Gerstbach nicht in einer Bild-in-Bild-Lösung sondern in einer direkten Parallelität zur Moderatorin Liliane Roth-Rothenhorst zeigt.

"Einstellung der Wochenschau noch ungeklärt"
Laut ORF ist noch nicht geklärt, ob die Wochenschau wirklich eingestellt wird, es wird jedoch im Zuge der geplanten Sparmaßnahmen darüber nachgedacht. Dies käme "einem Schlag ins Gesicht" gleich, wie die Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes, Helene Jarmer, feststellt. Österreich hinkt in der Untertitelung der Programme für gehörlose oder schwerhörige Menschen ohnedies hinterher: Lediglich 26 Prozent des gesamten Programmes kann mit Untertitelung verfolgt werden. Gleichzeitig sollten alle gehörlosen Menschen die GIS-Gebühr zu 100 Prozent bezahlen. "Der ORF ist gesetzlich nicht dazu verpflichtet, seine Sendungen zu untertiteln", so Jarmer. Der Österreichische Gehörlosenverbund versuche seit längerer Zeit, juristische Änderungen diesbezüglich herbeizuführen. "Dies ist jedoch ein gesamtgesellschaftliches Problem in Österreich: Gehörlose haben keine Lobby, viel zu wenig Medienpräsenz und werden als anerkannte Sprachminderheit medial nicht im Geringsten thematisiert", meint die Präsidentin des ÖGLB.

Musterbeispiele: Skandinavische Länder und Großbritannien
Anders verhält sich die gesetzliche Lage beispielsweise in Großbritannien. Die BBC ist seit diesem Jahr dazu verpflichtet, ihr gesamtes Programm zu untertiteln. "Davor gab es eine schrittweise Anhebung der Untertitelungsraten", erklärt Helene Jarmer. Ein derartiges Vorgehen fordere der ÖGLB auch vom ORF; dieser verweise jedoch stets auf Budgetknappheit sowie die Größe der BBC. Dieses Argument sei für den ÖGLB jedoch haltlos, da gehörlose Personen von Dreiviertel des öffentlich-rechtlichen Programmes ausgeschlossen werden, aber dennoch von ihnen verlangt werde die GIS-Gebühren vollständig zu bezahlen, erläutert Jarmer.

"Bewusstsein fehlt"
Über die Gründe, weshalb Österreich bei der Untertitelung seiner Programme hinterherhinkt, meint Helene Jarmer: "In Österreich fehlt ganz einfach das Bewusstsein für die Bedürfnisse von gehörlosen BürgerInnen und Bürgern. Es geht um eine Kultur der Integration, die in den skandinavischen Ländern und in Großbritannien längst Normalität ist aber in Österreich nahezu blockiert wird. Es braucht eine gesamtgesellschaftliche Initialzündung die es schafft, eine Bewusstseinsbildung auf breiter Basis herbeizuführen. Natürlich geht es seitens des ORF immer um die Kostenfrage. Und man produziert eher Budgetkiller wie Mitten im Achten, als das Angebot für 10.000 gehörlose Menschen auszubauen. Der ORF hat in unserem Falle seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag zu 74 Prozent aus den Augen verloren: denn es werden lediglich 26% des Programms untertitelt (und in Minimalstform mit Gebärdensprachmoderation ausgestattet). Anstatt die Untertitelungsrate schrittweise anzuheben, gibt es nun immer weniger für Gehörlose konsumierbares Programm."


 

( )


Reaktionen auf diesen Artikel

Nicht nur für Gehörlose...
Leider ist meiner Meinung nach der ORF zu 90\% am Auftrag vorbei.
Allerdings muss man ihm Zugute halten das nur ein Bruchteil der GIS bei ihm ankommt, der Rest versickert im Sumpf von diversen Seilschaften der regierenden Parteien (über alle bisherigen Legislaturperioden hinweg).

Nichts desto trotz produziert der ORF am Markt vorbei und möchte nun auch noch den Werbeanteil erhöhen..... Wozu? Um die letzten Zahlenden Seher noch zu vertreiben?
  Ano Nym - 2008-11-24
  Antworten >>



Google Suche

Newsletter
Weitere Artikel